Public Enemy: It takes a nation of millions to hold us back
Ich habe mich ja vor kurzem bereits in einem Blogbeitrag ziemlich verheddert. Desswegen jetzt noch einmal der Versuch, eines der Alben, die mich wirklich beeinflusst haben, näher zu beschreiben.
It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back
Das zweite Album von Public Enemy, aber mein erstes von den Polit-Rappern. Im Gegensatz zu anderen Bands setzen Public Enemy auf zum Teil sehr schräge Samples. Meine Eltern fragten mich damals wahrhaftig, ob meine Stereo-Anlage kaputt sei, weil das so komisch klingt. Damals lief so etwas bei meinem Plattendealer auch noch unter Hardcore-Rap. So als Abgrenzung zu den ersten West-Coast-Gangster-Rap, wie zum Beispiel Ice-T.
Was mir damals sehr gefallen hat, das die Raps von Public Enemy sehr politisch waren. Um diese Texte allerdings zu verstehen musste ich zum einen Englisch verstehen können, also sowohl lesend als auch hörend, zum anderen musste ich ja wissen, worüber Chuck D, Flavor Flav und Professor Griff so reden. Das Internet in seiner heutigen Form gab es noch nicht. Ich musste also in die Uni-Bibliothek und mir entsprechende Bücher und Zeitungen durchlesen. Für mich war das ein großer Vorteil. Ich lernte Englisch und setzte mich mit Politik auseinander. Auch mit Politik außerhalb meines kleinen Bereiches. Und ich setzte mich mit der Geschichte der Schwarzen Musik auseinander. Das ist übrigens einer der Gründe, warum ich diese MTV-Gangsta-Rappa nicht leiden kann. Genauswenig wie diese deutschen Hip Hop Kiddies, die wie ihre Vorbilder rumlaufen, aber überhaupt keinen Plan haben, WAS Rap überhaupt ist.
Rap, mittlerweile auch nur noch eine Geldmaschine, war damals wirklich so etwas wie das CNN der Schwarzen, wie es Chuck D formulierte. Viele der Afro-Amerikaner konnten und können nicht lesen, weil ihnen der Zugang zur Bildung verwehrt wird oder weil ihnen einfach das Geld fehlt. Durch den Rap aber erfuhren sie, was in ihrer Umwelt vor sich geht. Sicherlich, die Musik und die Texte waren selten objektiv, man warf Public Enemy vor schwulenfeindlich und anti-weiß zu sein. Dennoch, mir kleinem weißen Jungen haben sie viel beigebracht. Sich mit einer Sprache, einer Musik, einer Geschichte auseinander zu setzen.
Man kann sagen, erst dieses Album hat mich zum Hip Hop gebracht.
Und nein, ich werde hier keine einzelnen Titel bewerten. Mir geht es um das Album als Ganzes. Für mich ist It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back eines der größten und wichtigsten Alben in der Musikgeschichte. Weil es eben so politisch ist. Weil es einen Meilenstein in der Geschichte des Rap gesetzt hat, weil es ein zeitloses Album ist.
Ich habe von diesem Album profitiert. Zum einen hatte ich durch dieses Album einen Grund Englisch zu lernen und war schulisch dadurch immer ziemlich weit vorn. Ich habe aber auch gelernt, mich mit einem Thema auseinander zu setzen, es von mehreren Seiten zu betrachten. Und das alles noch ohne Internet.