Sade „Soldier of love“ – nach 10 Jahren wieder Gänsehaut
Nach nunmehr 10 Jahren Stille beglückt Sade ihre Fans wieder mit einem neuen, wenn auch kleinem Album. Sade ist wieder da. Ich habe Sade schon als Jugendlicher gemocht, trotz meiner Rap-Affinität. Damals war Sade der Inbegriff der Schönheit. Nicht nur vom Aussehen her, auch diese Gänsehautstimme.
Was mir auch immer gefiel, war dieser ruhige, relaxte Sound, der aber immer noch einen versteckten Groove hatte. Musik zum Träumen, zum Kuscheln, aber auch als Bar-Musik oder zum Dinner im Background. Sade geht immer.
Mit Soldier of Love meldet sich Sade zurück. Hat sich was geändert? Ja! Und Nein! Der Opener „The Moon and the Sky“ kommt bereits im gewohnten Sade-Sound daher.
Der Titelsong „Soldier of Love” ist dann aber für Sade-Verhältnisse Brachialsound. Dicke Bässe, Schrammelgitarre, mehr gerappt als gesungen. Aber überraschend gut. Das passt. Der erste Gedanke war „Sade ist erwachsen geworden!“ Wobei das natürlich Blödsinn ist. Musikalisch erwachsen war sie schon lange. Sades Stimme schmiegt sich um den Sound wie Seide. „Soldier of Love“ ist nicht der einzige Ausreißer auf dem Album.
„Morning BIrd“ beginnt klassisch. Geige, Klavier, alles sehr getragen. Zeit wieder runterzukommen. Kaum beginnt Sade zu singen, hat man Gänsehaut. Ein wundervoller Song.
„Baby Father“ kommt relativ eingängig daher. Leicht poppig. Sehr presente Percussions. Fast zu synthetisch. Dafür entschödigt dann „Long Hard Road“. Wieder ein typischer Sade-Sound. Gitarre, Drums, die dezent in den Ohren wummern aber dabei nicht aufdringlich sind.
“Be that easy“ macht seinen Namen alle Ehre. Plätscher musikalisch luftig leicht vor sich hin. Sades Samtstimme will da nicht so richtig zu passen. Ein schönes Lied, das ich mehrfach hören muss um damit warm zu werden.
“Bring me home“ ist Up-Tempo. Dann beginnt Sade zu singen. Und alles fließt. Das ist Sade wie ich sie kenne. Es passt zusammen. Die Stimme, der Sound.
„In Another Time“ hat endlich wieder dieses Bar-Jazz-Soul-Arrangement, in das sich Sades Gesang nahtlos einfügt.
„Skin“ reißt einen unsanft mit HipHop-Beats aus den Träumereien. Es ist ein ruhiger Song, trotz allem. Dennoch, man muss sich in den Song einfinden. Faszinierend, wie der Gesang, die Stimme von Sade einem Sound-Arrangement etwas Ruhe und Sanftheit geben kann.
„The Safest Place“ wird noch einmal ruhig, Ein schönes ruhiges Lied, einfach das was Sade am besten kann.
Nach 41:43 ist das Album dann auch schon wieder zu Ende. Leider möchte man sagen. Sade meldet sich angemessen zurück. Mit einem etwas neuen Stil. Vielleicht hat man sich einfach den aktuellen Sonds/Stilen angenommen um nicht altbacken zu klingen. „Soldier of Love“ ist ein durchwachsenes Album. Kein Title ist wirklich schlecht. Einige Songs muss man häufiger hören, bis sie sich einem öffnen. Aber alleine diese Stimme. Gänsehaut pur. Fans werden sich das Album mit Sicherheit kaufen. Für alle anderen wird es ein schwieriges Album werden. Sade ist anders. Sie macht keinen Mainstream, sie war es nie und wird es auch nie sein. Zum Glück. Dennoch macht Sade einen supergenialen Sound. Alles sehr jazzig-soulig. Jetzt mit etwas moderneren Zutaten, aber immer noch Sade. Musik für einen verregneten Sonntag im Bett, als Hintergrundmusik bei einer Vernisage oder gemütlich mit Kopfhörer auf dem Sofa. Hoffentlich dauert das nächste Album nicht wieder 10 Jahre.